Lebensberatung - Altmann Norbert

Partnerschaft als Abhängigkeit (Sucht und Droge)

Um zu verstehen wie eine Beziehung zur Abhängigkeit, einer Sucht werden kann, ist es sinnvoll, auf den Nährboden dafür einzugehen. Auf der psychologischen Ebene, aber auch auf der körperlichen, ist ein Gefühl von Mangel und Unvollkommenheit vorhanden. Solange eine Identifikation mit dem Verstand vorhanden ist, bezieht man sein Selbstgefühl von außen. Das bedeutet, man bezieht das Gefühl dafür wer man ist, von Dingen, die letztendlich nichts mit einem zu tun haben: z.B. von der Rolle in der Gesellschaft, dem Besitz, dem Aussehen, dem Erfolg und Scheitern, den Glaubensmustern und so weiter. Dieses falsche, vom Verstand geschaffene Selbst, das Ego, fühlt sich verletzlich, unsicher, und um sich seine Existenz zu bestätigen, sucht es unablässig nach neuen Dingen, mit denen es sich identifizieren kann.
Aber nichts wird jemals reichen, um dem Egoverstand dauernde Erfüllung zu verschaffen.
Seine Angst besteht weiter, sein Empfinden von Mangel und Bedürftigkeit bleibt.

Und dann kommt eine besondere Beziehung daher. Sie scheint die Antwort auf alle Probleme des Ego zu sein, sie scheint all seine Bedürfnisse zu erfüllen. Zumindest am Anfang sieht das so aus. All die anderen Dinge, aus denen man bisher seinen Selbstwert bezogen hat, rücken nun im Vergleich in den Hintergrund. Man hat jetzt einen einzigen Bezugspunkt, der sie alle ersetzt, der dem Leben Sinn verleiht und über den man seine Identität bestimmt: die Person, in die man "verliebt" ist.
Genau wie bei jeder anderen Sucht ist man high, solange die Droge verfügbar ist, aber unweigerlich kommt der Moment, in dem die Droge nicht mehr wirkt oder nicht mehr da ist . Wenn all die schmerzhaften Gefühle wiederkommen, dann fühlt man sie sogar noch stärker als vorher, ja man sieht dann obendrein den Partner als Ursache dieser Gefühle.

Das bedeutet, man projiziert sie nach außen und greift dann den anderen mit all der heftigen Gewalttätigkeit an, die Teil des Schmerzes ist. Durch diesen Angriff kann der Schmerz des anderen geweckt werden, und er oder sie wird einen Gegenangriff starten. An dieser Stelle hofft das Ego unbewusst immer noch, dass seine Angriffe und Manipulationsversuche Strafe genug sind, um den Partner zur Verhaltensänderung zu bewegen. Dann könnte es ihn wieder als Betäubungsmittel für den eigenen Schmerz benutzen.

Jede Abhängigkeit oder Sucht entspringt einer unbewussten Weigerung, sich mit dem eigenen Schmerz auseinander zu setzen und ihn durchzustehen. Jede Sucht beginnt mit Schmerz und endet mit Schmerz. Ganz gleich, wonach die Sucht besteht, ob nach Alkohol, Essen, legalen oder illegalen Drogen oder einer Person, immer benutzt man etwas oder jemanden, um den eigenen Schmerz zu betäuben.
Darum gibt es, wenn die anfängliche Euphorie verflogen ist, soviel Kummer, soviel Schmerz in intimen Beziehungen. Sie verursachen jedoch diesen Kummer und Schmerz gar nicht. Sie fördern lediglich den Schmerz und den Kummer zutage, die bereits in einem sind. Jede Sucht tut das. Und bei jeder Sucht kommt ein Punkt, an dem die Droge nicht mehr wirksam ist, dann wird der Schmerz noch intensiver als je zuvor.

Wenn man sich allein fühlt, wird man eine Beziehung suchen, um dieses Mangelgefühl auszugleichen. Aber man kann sicher sein, dass der Mangel in anderer Form innerhalb der Beziehung wiederkehrt, und dann wird man wahrscheinlich den eigenen Partner dafür verantwortlich machen.

Da sich die Menschen mehr und mehr mit ihrem Denken identifizieren, wurzeln die meisten Beziehungen nicht im Sein; so verwandeln sie sich in eine Quelle der Schmerzen und werden von Problemen und Konflikten beherrscht. Diejenigen, die an den alten Mustern festhalten, werden immer mehr Schmerz, Gewalt, Verwirrung und Irrsinn erleben.

Wenn Sie aufhören, das Denken als ihr Selbst anzusehen, dann werden sie frei und haben endlich Raum für (wahre) Liebe, Freude und Frieden.

Sehnsucht nach Außen verlagert, wird zur Sucht.

>> zurück - Partnerschaft